Tratschen

Kann oder muss ich es selber machen?

Wir denken zu oft, wir müssen es alleine schaffen. Klar, es ist wunderbar, Dinge auszuprobieren, und sie gelingen. Und nicht gleich resignieren. Ab und an kommt es vor, und es kippt. Da meint man: «Das kann ich selber machen», dann «Das muss ich selber machen».

Gestern hat mir Michaela telefoniert. Mit wütender Stimme hat sie mir erzählt, dass ihre Kinder das gesamte Waschpulver in die Badewanne gekippt haben. Wasser eingelassen und darin baden wollten. Ich stell mir das vor. Bildlich. Und grinse. Sie sieht es ja nicht.

Weisst du, da habe ich wieder gespürt, wie wichtig die Menschen um einen herum sind. Nicht, weil die Michaela sich bei mir auskotzte. Nein, sie ruft mich später glücklich an, um mir mitzuteilen, ihre Nachbarin hätte ihr Waschmittel gegeben. So konnte sie fertig waschen. Und müsse nicht bis nächsten Montag warten. Ihrem offiziellen Waschtag. Peanuts denkst du jetzt. Gäll? Nun, Waschpulver und dergleichen sind ja nicht lebenswichtig. Umso mehr die Leute um dich herum.

MaBelle. Du erinnerst dich sicher an den Autounfall unserer Tochter? Am anderen Ende des Dorfes? Sie fuhr mit dem Velo zu ihrer Freundin. Direkt vor deren Haustür fährt sie ein Auto an. Sie fliegt weg und knallt auf den Boden. Die Mutter der Freundin versucht vergebens, mich zu erreichen. Ich bin im Garten, da höre ich das Telefon nicht klingeln. Sie kommt mich holen.

Jetzt drei Kinder mit an die Unfallstelle zu nehmen ist nicht so schlau. Ich weiss ja nicht, was mich da erwartet? Stell dir vor, da liegt unser Mädel, blutüberströmt mit verdrehten Beinen und Armen. Und ich steh da, mit ihren Geschwistern. Was sag ich da? «Guckt genau hin, dass passiert, wenn ihr nicht aufpasst beim Velofahren.» Kriege ich da den «Beste-Mutter-des-Jahres-Preis?

Wohl kaum.

Ich klingle bei meinen Nachbarn und verteile meine Kinder. Sie erkennen die Situation schnell. So kann ich besorgt zu meiner hoffentlich nicht im Blut liegenden Tochter fahren.

Ich bin ihnen dankbar. Es hat gezeigt, was es bedeutet, sich auf andere in der Umgebung verlassen zu können.

Meine Liebe, du weisst sicher selber: Keiner kriegt alles alleine hin. Wer immer alles alleine schaffen muss, läuft irgendwann auf dem Zahnfleisch. Oder läuft gar nicht mehr. Er liegt am Boden, zerstört. Kaputt. Fix und fertig. Du brauchst ein Netzwerk.

Weiss du, Christine, wir müssen nicht alles alleine schaffen. Wir dürfen Hilfe annehmen. Müssen sie annehmen. Klar fällt das schwer. Wir waren vor unseren Kindern unabhängig. Beide. Wir, Hilfe annehmen? Brauchten wir nicht. Wir waren nicht auf andere angewiesen.

Kannst du mir erklären, woher der Drang, die Besessenheit kommt, alles alleine zu schaffen. Ist ja total doof. Oder nicht? Oder wohl? Oder doch?

 

 

 

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